Künstlerische Leitung

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Ehemalige Chefdirigenten

Nicolás Pasquet (2009 bis 2024)

Professor Nicolás Pasquet stammt aus Uruguay. Nach dem Studium von Violine und Orchesterleitung in Montevideo sowie an den Musikhochschulen in Stuttgart und Nürnberg leitete er seit 1981 regelmäßig uruguayische Orchester und war von 1992 bis 1994 Chef des Staatlichen Rundfunk-Sinfonieorchesters von Uruguay.

1984 und 1986 wurde er vom Deutschen Musikrat für das Dirigentenforum ausgewählt; 1987 gewann er den Ersten Preis beim 37. Internationalen Dirigentenwettbewerb in Besançon, Frankreich.

Seither arbeitet er mit namhaften Orchestern im In- und Ausland zusammen, darunter die Stuttgarter Philharmoniker, das NDR-Radiophilharmonie Hannover, das Münchner Rundfunkorchester, das Philharmonische Staatsorchester Hamburg, das Orchestre du Capitole de Toulouse, das Orchestre Lamoureux Paris, das Basler Sinfonieorchester sowie das Queensland Philharmonic Orchestra in Australien.

Internationale Konzerttourneen führten ihn durch ganz Europa, die USA, Südamerika (Chile, Uruguay, Brasilien, Kolumbien), Australien, Südkorea, Namibia und Südostasien.

Von 1993 bis 1996 war Nicolás Pasquet Chefdirigent des Sinfonieorchesters von Pécs in Ungarn, mit dem er regelmäßig in Pécs und Budapest konzertierte. Für seinen Einsatz zur Förderung und Aufführung ungarischer Musik wurde er 1998 in Budapest mit dem Béla Bartók/Ditta Pásztory-Preis sowie dem László-Lajtha-Preis ausgezeichnet. Von 1996 bis 2001 wirkte er als Generalmusikdirektor der Neubrandenburger Philharmonie, wo er neben den Konzertreihen und Tourneen auch zahlreiche CD-Einspielungen sowie die Zusammenarbeit mit dem Deutschlandfunk Köln und dem DeutschlandRadio Berlin verantwortete. In der Saison 2001/02 war er zudem als Chefdirigent des Orchesters am Landestheater Coburg tätig.

Pasquet hat eine umfangreiche Diskografie bei den Labels Marco Polo, Naxos und Beyer eingespielt, darunter die Gesamtaufnahme der sinfonischen Werke von László Lajtha. Zu seinen jüngsten Veröffentlichungen zählen das Gesamtwerk von Pierre Rode für Violine und Orchester mit Friedemann Eichhorn und der Jenaer Philharmonie sowie die hochgelobte Einspielung der Violin- und Cellokonzerte von Max und Antoine Bohrer.

Nachdem er bereits als Dozent am Meistersinger-Konservatorium in Nürnberg tätig war, folgte er 1994 dem Ruf als Professor für Orchesterleitung an die Hochschule für Musik FRANZ LISZT in Weimar. Dort leitet er bis zum Sommer 2024 eine internationale Dirigierklasse und ist Chefdirigent des Hochschulorchesters. Darüber hinaus pflegt er eine intensive Zusammenarbeit mit Elite-Jugendorchestern, wie den Landesjugendorchestern von Baden-Württemberg, Bayern und Hessen, dem Kammerorchester Schloss Belvedere sowie dem South-East Asian Youth Chamber Orchestra in Bangkok. Bis März 2024 war er Chefdirigent des Landesjugendsinfonieorchesters Hessen, wofür ihm 2024 der Hessische Verdienstorden verliehen wurde.

2024/25 übernahm Nicolás Pasquet den Zubin Mehta Lehrstuhl für Dirigieren an der Escuela Superior de Música Reina Sofía in Madrid sowie den International Chair in Conducting am Royal Northern College of Music in Manchester.

Michael Luig († 2014) (2002 bis 2006)

Professor Michael Luig war dem Landesjugendsinfonieorchester Hessen über Jahrzehnte hinweg verbunden.
Bereits ab 1984 arbeitete er regelmäßig mit dem Ensemble zusammen, bevor er von 2002 bis 2006 die Position des Chefdirigenten übernahm.

Sein musikalischer Weg begann nach dem Abitur 1968 mit einem Studium im Fach Klavier am städtischen Konservatorium in Dortmund, das er 1972 mit der Musiklehrerprüfung abschloss. Schon während dieser Zeit war er als Assistent am Gesangsstudio der Hamburgischen Staatsoper tätig und trat als Klavier- und Liedbegleiter auf. Von 1972 bis 1976 folgte ein Dirigierstudium an der Hochschule für Musik Köln bei Volker Wangenheim, welches er mit Auszeichnung beendete. Bereits seit 1975 widmete er sich intensiv der Arbeit mit Studenten- und Jugendorchestern.

Seine professionelle Laufbahn als Dirigent führte ihn zunächst als Korrepetitor und Kapellmeister an die Städtischen Bühnen in Frankfurt am Main (1976–1980). Nach einer Station als Erster Kapellmeister und stellvertretender Generalmusikdirektor am Saarländischen Staatstheater in Saarbrücken kehrte er 1982 als Erster Kapellmeister nach Frankfurt zurück. Weitere Engagements führten ihn an die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg sowie als Gast an die Städtischen Bühnen Bielefeld. Von 1989 bis 1994 wirkte Michael Luig als Generalmusikdirektor an den Städtischen Bühnen Augsburg.

Ab November 1994 gab er seine umfassende Erfahrung als Professor an die Staatliche Hochschule für Musik in Köln weiter, wo er das Hochschulorchester und eine Dirigierklasse leitete. Neben seiner Lehrtätigkeit blieb er international aktiv: Gastspiele führten ihn an bedeutende Opernhäuser im In- und Ausland sowie zu renommierten Orchestern wie den Münchner Philharmonikern, dem NDR Sinfonieorchester Hannover, dem Radiosinfonieorchester Berlin und dem Orchestre National de France. Tourneen führten ihn unter anderem nach China und in die USA, zudem trat er beim Rheingau Musik Festival auf.

Als Musikpädagoge sah Michael Luig eine besondere Verantwortung in der Förderung des musikalischen Nachwuchses. Neben dem LJSO Hessen leitete er eine Vielzahl weiterer Jugend- und Hochschulorchester, darunter das Landesjugendorchester Rheinland-Pfalz, und brachte seine Expertise in verschiedene Fachjurys ein. Sein künstlerisches Schaffen ist zudem durch zahlreiche CD-Einspielungen dokumentiert

Ralf Otto (1997 bis 1999)

Professor Ralf Otto ist seit 1986 Künstlerischer Leiter des Bachchor Mainz. Seine künstlerische Arbeit begann bereits zu Zeiten seines Studiums der Kirchenmusik in Frankfurt: 1981 gründete er das Vokalensemble Frankfurt, das bald zu einem der führenden Kammerchöre aufstieg. Unter seiner Leitung gewann das Ensemble zahlreiche Erste Preise bei international bedeutenden Wettbewerben, darunter 1984 der 1. Preis beim Hessischen Chorwettbewerb; 1985 der 1. Preis bei Deutschen Chorwettbewerb und Sonderpreis für die beste Interpretation eines zeitgenössischen Werkes; 1988 der 1. Preis beim Chorwettbewerb Guido d'Arezzo; 1990 der 1. Preis beim Chorwettbewerb der BBC „Let the People Sing“.

Neben moderner Musik bildete die intensive Beschäftigung mit der historisch informierten Aufführungspraxis den anderen Pol von Ralf Ottos Interessenspektrum. Er führte sie bei Bachchor & Bachorchester Mainz unmittelbar nach seinem Amtsantritt ein. Aber auch spätromantische und zeitgenössische Musik wurden verstärkt in das Repertoire aufgenommen. Mit Gerhard Müller-Hornbach verbindet ihn eine lange Zusammenarbeit.

Mit der Repertoirevielfalt, die Ralf Otto abdeckt, geht die intensive Beschäftigung mit unterschiedlichen musikalischen Stilen einher. Während seine Arbeit einerseits auf eine Durchdringung der jeweiligen Komposition zielt und zum Verständnis deren Hintergründe einbezieht, spielen andererseits die aufführungspraktischen und emotionalen Seiten der einzelnen Werke eine wesentliche Rolle. Das Ziel Ralf Ottos ist, von der genauen Kenntnis der Stücke zu einem emotional vertieften Ausdruck zu gelangen.

Von 1990 bis 2006 war Ralf Otto Professor für Chordirigieren an der Folkwang-Hochschule in Essen. Seit 2006 nimmt er eine gleiche Position an der Mainzer Hochschule für Musik der Johannes Gutenberg-Universität (JGU) wahr.

Im Dezember 2011 erhielt Ralf Otto von der Kultusministerin Doris Ahnen die „Peter-Cornelius-Plakette“, die höchste Auszeichnung des Landes Rheinland-Pfalz für Verdienste im Bereich der Musik. Im April 2016 wurde ihm durch Oberbürgermeister Michael Ebling die „Gutenberg-Plakette“ verliehen, die höchste kulturelle Auszeichnung der Landeshauptstadt Mainz.

Bernhard Kontarsky (1983 bis 1990)

Professor Bernhard Kontarsky ist ein deutscher Dirigent, Pianist und Professor, der für seinen Einsatz für die zeitgenössische Musik, insbesondere im Bereich der Oper und neuer Kompositionen, bekannt ist. Geboren in Iserlohn, Westfalen, ist er der jüngere Bruder der Pianisten Alfons und Aloys Kontarsky, mit denen er gelegentlich in Ensembles für drei Klaviere auftrat.

Kontarsky studierte Dirigieren, Klavier und Kammermusik an der Hochschule für Musik Köln, wo er den Mendelssohn-Preis für Kammermusikdarbietung erhielt. Er begann seine berufliche Laufbahn mit Dirigierstellen an der Oper der Stadt Bonn und ab 1964 als Kapellmeister am Staatstheater Stuttgart. Später arbeitete er freiberuflich als Dirigent und Korrepetitor, unter anderem 1965 an der Kölner Oper. Während der 1970er Jahre verband er Dirigierverpflichtungen mit Klavierauftritten und arbeitete mit Künstlern wie dem Geiger Ruggiero Ricci zusammen.

Im Jahr 1981 trat Kontarsky eine Professur für Klavier an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main an. Als Dirigent dirigierte er ein breites Repertoire, das von Standardwerken wie Carmen und Boris Godunow bis hin zu modernen Werken von Komponisten wie Luigi Nono, Karlheinz Stockhausen, Pascal Dusapin, Hans Werner Henze und Bernd Alois Zimmermann reicht.

Kontarsky ist besonders bekannt für die Leitung von Uraufführungen von Opern wie Mauricio Kagels Die Erschöpfung der Welt (1980), Hans Zenders Don Quijote de la Mancha (1993), Henzes El rey de Harlem (1982), Adriana Hölszkys Die Wände (deutsche Erstaufführung, 2000) und Bruno Mantovanis L'Autre Côté (2006). Seine Diskografie, aufgenommen für Labels wie Erato, Teldec und Vox, legt den Schwerpunkt auf zeitgenössisches und vernachlässigtes Repertoire, einschließlich gefeierter Veröffentlichungen wie Zimmermanns Die Soldaten (1991, Teldec) und Nonos Intolleranza 1960 (2010, Erato).